Detailansicht für den Begriff

Name des Begriffes: Einkaufsintegration (Procurement Integration)
Beschreibungen des Begriffes:

Einkaufsintegration (Procurement Integration)

Wenn es nach einer Unternehmensübernahme im Rahmen einer M&A-Transaktion zu einer Post Merger Integration kommt, stellt sich regelmäßig die Frage ob und wenn ja in welchem Umfang die Einkaufs- bzw. Beschaffungsfunktionen zu integrieren sind. Diese Frage ist von der spezifischen Konstellation abhängig und generell kann davon ausgegangen werden, dass eine Integration der Beschaffungsfunktion insbesondere dann Sinn macht, wenn das Käufer- und Targetunternehmen auf einer Wertschöpfungsstufe agieren, d.h. starke Überschneidungen im Beschaffungsportfolio haben (horizontaler M&A-Fall). In einem solchen Fall sind auch hohe Kostensynergien beim Beschaffungsportfolio aber auch in der Beschaffungsorganisation selbst anzunehmen. Wird dagegen ein Unternehmen einer vor- oder nachgelagerten Wertschöpfungsstufe erworben, so liegen i.d.R. stark unterschiedliche Beschaffungsportfolios vor und Kostensynergien können lediglich in der Beschaffungsorganisation selbst, aber nicht bei den Kosten für das Beschaffungsportfolio erzielt werden. 

Unabhängig von der Richtung der Akquisition (horizontal versus vertikal) bietet eine PMI-Situation für die fusionierten Unternehmen generell die Möglichkeit, die bisherigen Einkaufsprozesse/-systeme zu überprüfen und ggf. neu auszurichten. Dieser Optimierungsprozess kann sich von der Einkaufsstrategie bis hin zur Lieferanteneinbindung hinziehen. Idealerweise beginnt dabei diese Optimierung nicht erst in der Post Merger Phase, sondern die Einkaufsfunktion wird schon in der vorbereitenden Due Diligence Phase „auf Herz und Nieren“ geprüft. Priorität muss bei einer Einkaufsintegration (Procurement Integration) die reibungslose Fortführung der Beschaffungsfunktion haben, Optimierungen sind zunächst sauber zu konzipieren bevor eine Implementierung – ohne negative Beeinträchtigung des laufenden Betriebs – durchgeführt werden kann. Von vitaler Notwendigkeit im Rahmen der Einkaufsintegration ist die Involvierung der Mitarbeiter beider Fusionspartner. So wird Akzeptanz für Veränderungen geschaffen und darüber hinaus ist das spezielle Wissen unterschiedlicher Mitarbeiter für z.B. die optimale Definition von Materialbedarfsgruppen notwendig. 

Die Ermittlung der Optimierungs- und Einsparpotenziale im Rahmen der Ist-Analyse wird ermöglicht durch ein internes Benchmarking von Preisen und Konditionen. Die Realisierbarkeit dieser Einsparpotenziale ist – mit Fokus auf A-/B-Materialgruppen – durch eine externe Beschaffungsmarktanalyse und externe Benchmarks zu verifizieren. Anschließend sind Preis- und Mengenhebel wie z.B. Volumenkonzentration und Spezifikationsoptimierung zu bestimmen, um Einsparpotenziale, die über das interne Preis-Benchmarking hinausgehen, zu quantifizieren. Von hoher Wichtigkeit in der Analysephase ist darüber hinaus die Erfassung der Einkaufsorganisation der beiden Einkaufsabteilungen. Es sind die Anzahl der jeweiligen Einkäufer für die Aufgabenbereiche und deren Qualifikationen und Stellenbeschreibungen im aktuellen und Soll-Zustand im Detail zu analysieren. Darüber hinaus sind in der Ist-Analyse die Beschaffungskernprozesse (strategischer Einkauf, operativer Einkauf, Lieferantenmanagement) detailliert zu untersuchen. Den Abschluss der Analysephase bildet die Aufstellung eines Stärken-/Schwächenprofils für die Einkaufsfunktionen, um – auch im Hinblick auf Best Practices – die Verbesserungs- und Einsparpotenziale aufzuzeigen. 

In der Soll-Phase der Einkaufsintegration wird ein Modell für die Gestaltung der künftigen Einkaufsorganisation abgeleitet. Hierzu gehören im Wesentlichen die zukünftige Organisationsstruktur, die definierten Kernprozesse und Einkaufsrichtlinien/-policies. Die Implementierung der neuen Einkaufsfunktion erfolgt entlang eines detaillierten Integrations-Maßnahmenplans. Hierbei ist wichtig, die Realisierung der Einsparpotenziale streng zu tracken und in ein umfassendes Synergiecontrolling der Post Merger Integration einzubinden. Ergänzend sind die Mitarbeiter zu schulen und Kommunikationsmaßnahmen durchzuführen.

Typ des Begriff: definition
Sprache des Begriffs (2 Zeichen ISO Code): de
Zurück