Detailansicht für den Begriff

Name des Begriffes: IT-Integration
Beschreibungen des Begriffes:

IT-Integration

Die Relevanz von IT für Geschäftsmodelle hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Kam IT bis zum Ende des letzten Jahrhunderts häufig noch primär die Rolle einer rein unterstützenden Funktion zu, die lediglich zur Effizienzsteigerung von Geschäftsprozessen beitrug, so bildet IT heutzutage vielfach das Fundament von Geschäftsfunktionen und die informationstechnische Durchdringung betrieblicher Wertschöpfungsketten ist allgemein stark angestiegen. Teilweise basieren gesamte Geschäftsmodelle wie Internetmarktplätze oder der Online-Vertrieb von Medieninhalten auf IT-Systemen. Eine funktionierende IT ist somit vielfach vital für die Funktion des Unternehmens – das gilt insbesondere in der Sondersituation eines Unternehmenskaufs. In der Post Merger-Phase muss die IT-Integration die operative Stabilität des fusionierten Unternehmens sicherstellen und darüber hinaus die Voraussetzung für die Realisierung der geplanten Synergien liefern – erfahrungsgemäß sind mehr als 50% aller Synergien von der effizienten IT-Integration abhängig. Neben dieser Enablerrolle der IT wird vielfach noch angestrebt, die IT-Kosten selbst zu senken und somit kommt der IT in der PMI-Phase die Doppelrolle von Synergiequelle und Synergiehebel zu. 

Die IT-Integration kann idealtypisch in sieben Bestandteile eingeteilt werden, für deren erfolgreiche Bearbeitung spezifische Erfolgsfaktoren zu berücksichtigen sind: 

1. IT-Strategie: 
Die IT-Strategie eines Unternehmens liefert Aussagen, die unmittelbar auf Qualität und Kosten der IT-Funktion im Unternehmen schließen lassen. So verursachen z.B. hohe Sicherheitsstandards verbunden mit moderner IT-Infrastruktur und –Applikationslandschaft eine sowohl qualitativ hochwertige als auch kostenintensive IT-Funktion. Je stärker die Unterschiede in der IT-Strategie des übernehmenden Unternehmens und des Akquisitionsziels sind, desto eher wird es zu Komplikationen bei der IT-PMI kommen. IT-Mitarbeiter mit z.B. hohem Berufsethos und Stolz auf hohen Eigenleistungsanteil und hohe Sicherheitsstandards werden i.d.R. mit Widerstand reagieren, wenn Sie in eine „Low-Level-IT“ integriert werden sollen. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor bzgl. der IT-Strategie ist somit, rechtzeitig Unterschiede der jeweiligen IT-Strategien der beteiligten Unternehmen festzustellen und die zukünftige IT-Strategie zu kommunizieren, um die Erwartungshaltung des beteiligten IT-Personals und auch der IT-Anwender zu managen. Diese Aufgabe ist top-down durch die IT-Leitung zu erbringen und muss sich am allgemeinen Kontext und den Zielen der Akquisition orientieren. 

2. IT-Governance: 
Die IT-Governance beschreibt die Regeln und Standards zur Führung in der IT-Organisation und zur Erbringung der IT-Funktion im Unternehmen. Ebenso wie bei der IT-Strategie ist es auch bei der IT-Governance erfolgskritisch, die Regeln der IT-Funktion klar und rechtzeitig zu kommunizieren und die entsprechenden Tools zur Verfügung zu stellen. Neben allgemeinen Aussagen zu Zielen und Handhabung der IT-Governance sind in diesem Zusammenhang insbesondere IT-Guidelines für die verschiedenen Anwendungsbereiche (z.B. Datensicherheit, Benutzerverwaltung, Stammdatenmanagement, etc.) zu nennen. In der frühen Phase der IT-Integration ist ein Implementierungsplan für z.B. IT-Guidelines (inkl. Abfolge der Informationsverteilung, Zielpublikum, Priorisierung der IT-Guidelines) zu erstellen und eng bzgl. der Umsetzung zu tracken. Rechtzeitig sind alle Key-Player für die IT-Governance zu involvieren (z.B. IT-Leitung, Datenschutzbeauftragter, aber auch die Account-Manager der IT-Service Provider). Gerade in der Übergangsphase der PMI sollte dem Datenschutz eine sehr hohe Aufmerksamkeit gewidmet werden da z.B. durch erhöhte Personalfluktuation die Gefahr von Datenmissbrauch besteht. 

3. IT-Organisation: 
Bei der IT-Organisation wird zwischen Ablauforganisation und Aufbauorganisation unterschieden. Während die IT-Ablauforganisation durch die IT-Prozesse ausreichend beschrieben wird (siehe unten), liegt ein hohes Risiko in einer mangelhaften Planung und Implementierung der zukünftigen IT-Aufbauorganisation. Es ist zu empfehlen, die IT-PMI Projektorganisation so aufzusetzen, dass die dort involvierten IT-Mitarbeiter ihr Wissen und ihre Fähigkeiten in optimaler Weise innerhalb der zukünftigen IT-Aufbauorganisation einsetzen können. Die optimale Gestaltung des Übergangs von der IT-PMI Projektorganisation in die IT-Regelorganisation ist ein wesentlicher kritischer Erfolgsfaktor, dem mit der frühzeitigen Benennung von Verantwortlichkeiten und der Definition von Soll-Berichtswegen begegnet werden sollte. Wichtig für den Projekterfolg ist die Besetzung des IT-PMI-Projekts mit einem ausgewogenen Verhältnis von Macht- und Fachpromotoren. 

4. IT-Prozesse: 
Für die IT-Prozesse ist im Rahmen der IT-PMI von elementarer Bedeutung, zu regeln, in welcher zeitlichen Reihenfolge welche Prozesse eingeführt, modifiziert bzw. abgeschafft werden. Zu Beginn der IT-PMI ist zu definieren, welche IT-Prozesse in Zukunft zur Anwendung kommen sollen und was die wesentlichen Parameter des jew. Prozesses sind (Input, Beteiligte, Output). Kernprozesse mit hoher Bedeutung für die Erbringung der IT-Funktion im Unternehmen müssen dabei mit erster Priorität behandelt werden. Keinesfalls darf der Fehler begangen werden, hohe personelle und finanzielle Ressourcen auf „Nice-to-have“-Prozesse zu verwenden. 

5. IT-Infrastruktur: 
Die Integration der IT-Infrastruktur bietet schon in einer frühen Phase der Integration Chancen für „Erfolgsmeldungen“ und somit Motivation aller Integrationsbeteiligter. So schafft ein gemeinsames Datennetz die Möglichkeit zur Nutzung eines gemeinsamen Intranets und einer gemeinsamen Kommunikationsplattform (insbesondere E-Mail) für formelle aber auch die informelle Kommunikation. Wesentlicher Erfolgsfaktor der IT-Infrastrukturintegration ist z.B. eine frühzeitige Aufnahme der Infrastrukturlandschaft und Entscheidungsfindung (z.B. bzgl. Provider für WAN/LAN, Betrieb von Datencentern, zukünftig verwendete Arbeitsplatzinfrastruktur). Zu berücksichtigen ist, dass die IT-Infrastruktur die Grundvoraussetzung für die Integration der IT-Applikationen ist und deshalb die IT-Infrastruktur-Integration der Integration der IT-Applikationen zeitlich vorausgehen muss. 

6. IT-Applikationen: 
Die IT-Applikationen zeichnen sich durch die unmittelbare Kommunikation mit dem Nutzer aus. Deshalb ist es notwendig, die Soll-Landschaft für IT-Applikationen und den Migrationspfad dorthin sorgfältig zu planen und Vor- und Nachteile unterschiedlicher Migrationsalternativen abzuwägen. Die Entscheidung für IT-Applikationen (Plattformen) und den Migrationspfad sollten zu Beginn der IT-PMI getroffen werden. Im Sinne eines optimierten Schulungsaufwandes und einer universalen Einsetzbarkeit von Mitarbeitern ist die Anzahl der verwendeten IT-Applikationen zu minimieren und wo möglich auf Standardsoftware (insbesondere bei Enterprise Resource Planning (ERP)-Anwendungen) zurückzugreifen. Standardsoftware bietet weiter den Vorteil einer Investitionssicherheit, da davon auszugehen ist, dass die jeweiligen Anbieter die Produkte stetig weiterentwickeln. Da Spezialanwendungen gegenüber Standardsoftware i.d.R. bei Anschaffung und Wartung kostenintensiver sind, sollte die Post Merger-Phase genutzt werden, um Synergiepotenziale zu realisieren und aufgeschobene Software-Investitionsmaßnahmen in Richtung einer zunehmenden Standardisierung durchzuführen. 

7. IT-Mitarbeiter: 
Die IT-Mitarbeiter des übernommenen Unternehmens verfügen über umfangreiches spezifisches IT-Know-how, das soweit wie möglich in der PMI-Phase genutzt werden sollte. Dem Management dieser Mitarbeiter, des vorhandenen IT-Wissens und der Durchführung von IT-Trainings zur Verteilung des Wissens kommt in der PMI-Phase eine hohe Bedeutung zu. IT-Know-how Träger im akquirierten Untenehmen müssen so früh wie möglich identifiziert und mit geeigneten Incentives zum Verbleib im Unternehmen motiviert werden. 

Einen wesentlichen Werthebel der IT-PMI stellt die Standardisierung dar. Jeder o.g. Bestandteil der IT-PMI sollte sorgfältig bzgl. eines möglichen Standardisierungsnutzens überprüft werden. Standardisierung führt vielfach zur direkten Kostenreduktion durch Mengeneffekte beim Kauf von Softwarelizenzen und PCs. Darüber hinaus erhöhen eine Standardisierung z.B. von IT-Mitarbeiterfähigkeiten aber auch die Flexibilität, die Prozesssicherheit und folglich auch die Qualität der IT-Funktion im Unternehmen. Es wird empfohlen, die Sondersituation des Unternehmenskaufs als Anlass zu nehmen, um sich von „gewachsenen“ und vielfach nicht standardisierten IT-Systemen, Prozessen, etc. zu trennen und Standardisierungssynergien zu realisieren. Gerade im IT-Bereich findet zunehmend eine Standardisierung (z.B. Internet-Protokoll, Standard-Software, Schnittstellenvereinheitlichung) statt, deren Chancen zu nutzen sind.

Typ des Begriff: definition
Sprache des Begriffs (2 Zeichen ISO Code): de
Zurück