Unternehmertum in Konzernen

Macher machen lassen

Kreativ, eigenverantwortlich, risikobereit – weltweit suchen Firmen Mitarbeiter mit unternehmerischen Qualitäten. Querdenker und Macher sollen sicherstellen, dass auch etablierte Konzerne im Rennen um die Märkte der Zukunft mithalten können. Gründergeist in Großunternehmen ist kein Widerspruch in sich. Wenn man es richtig angeht.

Schon in naher Zukunft werden Unternehmen andere Kompetenzen benötigen als in der Vergangenheit, um erfolgreich zu sein – so sagt es etwa das Weltwirtschaftsforum in seinem aktuellen Bericht voraus. Eine der wichtigsten ist Kreativität. Viele Konzerne haben das längst erkannt und nehmen sich die Arbeitskultur von Startups zum Vorbild, um den Ideenreichtum und die Tatkraft ihrer Mitarbeiter besser auszuschöpfen. Doch im Vergleich zu den Aufsteigern der New Economy sind traditionelle Konzerne meist sehr hierarchisch und weniger fehlertolerant. Wie kann man den Großen mehr Gründergeist einhauchen? Die folgenden fünf Punkte haben sich in der Praxis bewährt:

 

  1. Entrepreneurship vom Tagesgeschäft abgrenzen

    Konzerne sollten ein Umfeld schaffen, in dem Mitarbeiter das Kerngeschäft hinterfragen und Risiken eingehen können. Jenseits enger Zielvorgaben dürfen Projekte hier auch einmal scheitern. Beispielsweise können Forschungsabteilungen sogenannte U-Boot-Projekte ermöglichen: Mitarbeiter haben ein Budget zur freien Verfügung, mit dem sie ihre Ideen verfolgen können.

  2. Unternehmerische Talente entdecken, fördern und binden

    Große Firmen müssen kreative Mitarbeiter, die das Zeug zum Neuerer haben, gezielt suchen – in den eigenen Reihen und außerhalb. Für die Unternehmer im Unternehmen empfiehlt sich ein spezielles Personalentwicklungsprogramm. Die Mitarbeiter erhalten für ihre Aufgaben die nötige Freiheit, um schnell und eigenverantwortlich handeln zu können. Damit die Talente auch langfristig bleiben, können Konzerne Gewinnanteile in Aussicht stellen. Und sie können Trümpfe spielen, die kleinere Firmen nicht auf der Hand haben: hauseigene Ressourcen für die Produktentwicklung bis zur Marktreife sowie Zugang zu weltweiten Märkten.

  3. Mitarbeiter begeistern und beteiligen

    Die interne Organisation und Kommunikation muss unternehmerisches Denken und Handeln im Berufsalltag unterstützen, mit dem Ziel, alle Mitarbeiter für die hauseigenen Innovationen zu begeistern. Ein Beispiel aus der Praxis sind Intranetforen, über die sich Mitarbeiter an Entwicklungsprojekten beteiligen können. Um den Austausch zu vertiefen, kann das Unternehmen Innovationstage organisieren, bei denen sich die Projekte vorstellen. Kollegen, die in den etablierten Geschäftsbereichen tätig sind und gerne in ein Innovationsteam wechseln möchten, sollten diesen Schritt möglichst einfach vollziehen können.

  4. Konkurrenzfähige Rahmenbedingungen schaffen

    Wenn ein Projekt Ressourcen anfordert, muss es diese auch schnell und unbürokratisch bekommen. Selbst wenn das Innovations-Unternehmen eine unabhängige Einheit ist, kann der Mutterkonzern bedarfsweise unterstützen, etwa mit Fachkräften, Beratung oder Zugang zu geistigem Eigentum. Zentrale Dienste wie der technische Support können den Innovationsprojekten außerdem Vorfahrt gewähren.

  5. Über den Tellerrand schauen

    Bei Entrepreneurship geht es nicht immer um Eigenentwicklungen. Gibt es Initiativen am Markt, die auf einem Forschungsgebiet bereits weiter fortgeschritten sind, sollte es Aufgabe interner Unternehmer sein, Beteiligungen oder Firmenübernahmen anzubahnen. Daran schließt sich die nächste Herausforderung an: Die Konzernfamilie muss neue Tochterunternehmen so einbinden, dass diese ihre Innovationkraft bewahren.

 

Fazit: Konzerne, die sich Mitarbeiter mit Unternehmergeist wünschen, brauchen eine entsprechende interne Organisation und Kultur. Diese zu schaffen ist machbar, aber häufig eine Unternehmung für sich.