Change Storytelling

Und…Action!

Jede große Veränderung in Unternehmen führt zu Konflikten. Darüber reden hilft. Am besten ohne den üblichen Management-Jargon: Erzählen Sie den Umbruch als Geschichte, mit den Mitarbeitern in der Heldenrolle. Storytelling macht Veränderung zum Abenteuer – das Happy End fest im Blick.

Alles scheint gleichzeitig auf die Mitarbeiter einzustürmen. Noch vor ein paar Wochen arbeiteten sie Tür an Tür mit den Kollegen aus den Fachabteilungen. Inzwischen hat man sie in eine neue, firmeneigene Servicegesellschaft versetzt. Viele haben nun andere Vorgesetzte und neue Kollegen. Die Ausgründung soll die Dienstleistungen verbessern und Kosten senken: Im Raum steht ein neunstelliger Betrag. Man will IT-Systeme und Arbeitsabläufe vereinheitlichen. Und glaubt man Gerüchten, wird es statt drei Servicestandorten am Ende nur noch einen geben.

In einer solchen Situation droht das bekannte Change-Paradox: Eigentlich soll die Veränderung das Unternehmen produktiver oder effizienter machen. Doch wenn es schlecht läuft, kann die Motivation ins Bodenlose sinken. Dies zu verhindern oder abzufedern, ist Aufgabe des Change Managements. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Kommunikation. Das Führungsteam muss die Ziele des Wandels verständlich erklären und den Weg dorthin so beschreiben, dass die Mitarbeiter bereit sind mitzugehen.

 

Vom Strategen zum Erzähler

Nun hat das Management für gewöhnlich seine eigene Sprache. Da wird optimiert, harmonisiert oder zentralisiert. Da geht es um Kostenquoten, Qualitätsindizes und Benchmarks. Auf den oberen Führungsebenen mag man sich auf diese Weise gut verständigen. Aber um die Mitarbeiter zu erreichen, sie zu überzeugen und zu motivieren, ist diese Art der Kommunikation zu abstrakt, zu wenig menschlich. Das Thema Change muss greifbarer, es muss lebendig werden. Ein Mittel, das sich dafür hervorragend eignet, ist Storytelling.

 

Kopfkino: Die Heldenreise

Eine bewährte Übung für Workshops und größere Veranstaltungen ist die sogenannte Heldenreise. Sie bietet sich besonders dann an, wenn sich Mitarbeiter als Objekte der Veränderung sehen, nicht als Akteure. Die Heldenreise ist ein Gedankenexperiment unter der Leitfrage: Wäre unser Change-Projekt ein Hollywood-Film, wie würde die Handlung dann verlaufen? Kennzeichnend für die Heldenreise ist ihr offener Umgang mit Konflikten: Wie bei einem Actionfilm gehören sie selbstverständlich zu einer guten Story.

Am Ende der Übung haben sich die Mitarbeiter auf neue Art mit ihrer Situation auseinandergesetzt – und selbst Lösungen für ihre Konflikte durchgespielt. Dabei haben sie sich als Protagonisten des Wandels wahrgenommen. Auch aus Sicht der Führungskräfte liefert die Heldenreise wichtige Erkenntnisse: Sie zeigt, welche Unterstützung die Mitarbeiter benötigen, um eine aktive Rolle zu übernehmen. Ein Übungsformat für die „Heldenreise“ können Sie hier herunterladen.

 

Roter Teppich: Vorbilder 

Sie bewirken oft mehr als eine große Inspirationsrede des Chefs: Geschichten von Mitarbeitern, die mit gutem Beispiel vorangehen. Zu oft begnügt man sich in der Projektkommunikation damit, über strategische Ziele und Meilensteine zu berichten. Storytelling geht darüber hinaus. Es stellt Mitarbeiter ins Rampenlicht, die bereits heute vorleben, was das Unternehmen durch den Wandel erreichen will.

Im beschriebenen Fallbeispiel könnten das folgende Geschichten sein:

  • „Spätdienst“: Das Mitarbeitermagazin begleitet eine Servicekraft bei einer der neuen, unpopulären Abendschichten. Die Kollegin erklärt, wie sie mit der Situation zurechtkommt und was für sie guter Service bedeutet.
  • „Kantinen-Talk“: In einer kleinen Intranet-Artikelserie unterhält sich je ein Mitarbeiter während der Mittagspause mit einem Mitglied der Geschäftsführung – über den Stand der Veränderung und über drängende Fragen, die ihn und seine Kollegen gerade beschäftigen. Die Chefs vermitteln dabei eine neue, dialogorientierte Arbeitskultur mit flachen Hierarchien.
  • „Better Call Paul“: In kurzen Handy-Videos im Intranet beantwortet ein Mitarbeiter anonymisierte Serviceanfragen von internen Kunden. Er zeigt, wie man Onlineformulare ausfüllt, fragt bei Bedarf Kollegen um Rat oder liest Beschwerde-Mails vor, die er freundlich und professionell beantwortet. So entsteht ein modernes FAQ in Videoformat, das zugleich das neue Selbstverständnis als Dienstleister widerspiegelt. 

Heldenreise und Vorbilder sprechen Verstand und Gefühl gleichermaßen an. Sie stellen den Wandel als gemeinsame Aufgabe dar, von der alle Seiten etwas haben und zu der jeder Mitarbeiter etwas beitragen kann. Die Sache des Unternehmens wird zur eigenen Mission.