Tipps von Rede-Coach Peter Hopwood

„Starten Sie mit einem Knall!”

Es gibt Vorträge, die man nie vergisst. Pitches, nach denen man den Deal einfach machen muss. Präsentationen, die schnell zum Konsens führen. Im Arbeitsalltag hat jeder seine kleineren oder größeren Auftritte. Oft sind es nur wenige Minuten, von denen viel abhängt. Holen wir dabei das Maximum heraus? Redetrainer Peter Hopwood sagt: Meistens geht da noch viel mehr. Beim Grosse-Hornke-Teamtag im Juli führte er uns das eindrucksvoll vor Augen. In unserem Interview verrät er Profi-Tipps, die jeder einfach umsetzen kann.

Frage: Peter, Sie kommen aus Großbritannien. Man sagt, Briten hätten einen besonderen Sinn für Humor. Was halten Sie von Rednern, die versuchen, witzig zu sein?

Peter Hopwood: Humor kann ein guter Weg sein, um die Zuhörer aufzulockern. Sie nehmen Ihre Botschaften dann besser auf und werden Ihnen eher zustimmen. Das klappt aber nur, wenn Sie das schon öfter gemacht haben, wenn Sie Lacher antizipieren können und wenn Sie ganz einfach gut darin sind, Witze zu machen. Trifft das nicht zu, wird Humor zum Eigentor. Jeder sollte seinen eigenen Weg finden, um seine Zuhörer für sich zu gewinnen. Witze sind nicht jedermanns Sache.

Gut, dann wollen wir über Strategien reden, die jeder nutzen kann. Was sind aus Ihrer Sicht die Grundzutaten einer starken Präsentation?

Zunächst sollten Sie sich bewusst sein, dass die Leute nicht viel Zeit und Geduld mitbringen, um sich auf Ihren Vortrag zu konzentrieren. Was Sie sagen, hat keine Priorität für sie. Sie müssen die Aufmerksamkeit Ihrer Zuhörer erobern. Sie müssen sie dazu bringen, die Ohren zu spitzen. Und es gibt nur eine Art, das zu tun: Starten Sie mit einem Knall. Legen Sie los mit einer überraschenden Tatsache oder mit einer beeindruckenden Zahl; stellen Sie eine Frage oder verraten Sie Ihrem Publikum, was Sie lieben oder was Sie hassen. Wenn ich die Bühne betrete, könnte mein erster Satz zum Beispiel sein: ‚Schlechte Redner haben etwas an sich, das ich wirklich nicht ausstehen kann‘. Das macht die Leute neugierig. Sobald Sie die Aufmerksamkeit des Publikums gewonnen haben, kommt der nächste wichtige Schritt: Die Zuhörer müssen Ihnen genug vertrauen, um am Ball zu bleiben. Ein gutes Mittel, um Vertrauen aufzubauen, sind Gesten. Die Leute müssen Ihre Hände sehen. Bewegen Sie Ihre Arme und Hände natürlich und selbstbewusst. Dabei sollten Ihre Hände in etwa auf Bauchhöhe bleiben – das ist der Bereich des Vertrauens. Vermeiden Sie es, Ihre Hände über Ihre Schultern zu heben. Das macht Ihre Zuhörer nur nervös. Wenn Sie natürliche Gesten einsetzen, lässt das auch Ihre Stimme besser klingen. Sie gewinnt an Tiefe und Farbe.

Was sind aus Ihrer Sicht typische Fehler, die Präsentatoren machen?

Es kommt recht häufig vor, dass die Leute zu schnell sprechen, weil sie nervös sind. Man merkt, dass sie nicht richtig atmen, und dadurch ist auch ihre Stimmlage tendenziell höher. Das ist nicht gut. Denn andere beurteilen Sie in starkem Maße nach dem Klang Ihrer Stimme. Er ist sogar wichtiger als Ihre körperliche Erscheinung. Wenn Sie vor Publikum auftreten, versuchen Sie, etwas langsamer als sonst zu sprechen, und in einem natürlichen Ton. Wenn Ihre Stimme tiefer klingt, baut das Vertrauen auf und vermittelt Glaubwürdigkeit.

Tief und langsam sprechen – wird das für die Zuhörer nicht schnell eintönig?

Ihr Vortrag sollte nicht monoton sein. Variieren Sie den Klang Ihrer Stimme und geben Sie Ihren Worten den richtigen Ton, je nach ihrer Bedeutung. Heben Sie Schlüsselbegriffe hervor. Und denken Sie daran, Pausen einzubauen, die Ihren Zuhörern erlauben, Ihre Aussagen zu verarbeiten. Ein überzeugender Vortrag braucht Bewegung, nicht nur im Körper, sondern auch in der Stimme. 

Im Arbeitsalltag verlassen sich viele von uns auf Präsentationsfolien. Ist das eine gute Angewohnheit?

Visualisierung kann etwas ganz Großartiges sein. Aber ich mache oft die Erfahrung, dass Folien überfrachtet sind und eher vom gesprochenen Wort ablenken. Wenn Sie Folien und Bilder verwenden, sollten diese ein Hilfsmittel sein. Sie sollten die Präsentation bereichern. Vermeiden Sie es zum Beispiel, auf Ihre letzte Folie ‚Vielen Dank‘ zu schreiben. Das ist Verschwendung. Die Folie am Ende Ihrer Präsentation sollte wirklich stark sein: ein Appell, eine Frage, eine klare Botschaft. Denn ein starkes Ende ist das, woran sich die Leute erinnern werden. 

Stellen Sie sich vor, wir machen eine Telefonkonferenz: Was kann ich als Sprecher tun, damit die Teilnehmer wirklich konzentriert zuhören?

Das ist natürlich eine Herausforderung, da Sie die Reaktionen Ihrer Zuhörer nicht sehen können. Dennoch unterscheidet sich die Situation nicht wesentlich von einem normalen Vortrag. Es kommt darauf an, dass Sie Ihre Stimme bewusst einsetzen, dass Sie den richtigen Ton für Ihre Worte finden und zentrale Begriffe hervorheben. Versuchen Sie, Energie zu vermitteln, obwohl Ihre Zuhörer Sie nicht sehen können. Sie sollten außerdem den Teilnehmern Fragen stellen und sie aktiv einbeziehen.  

Wenn man als Berufstätiger über viele Jahre erfolgreich Präsentationen gehalten hat, könnte man meinen, es gebe nichts mehr zu lernen. Stimmt das?

Gute Präsentatoren wollen sich immer weiter verbessern. Sogar ich als Profi-Redner und Coach habe nach wie vor einen Mentor. Das ist die beste Art, sich weiterzuentwickeln: eine Person zu haben, der man vertraut und die man regelmäßig um Feedback bittet. Aber es gibt auch andere Wege, um die eigene Leistung zu überprüfen. Ein guter Tipp: Filmen Sie sich selbst. Nehmen Sie dafür einmal am Tag Ihr Smartphone zur Hand, schalten Sie die Kamera an – zum Beispiel nach der Arbeit, wenn Sie allein im Auto sitzen. Erzählen Sie, was Sie so den Tag über gemacht haben. Und dann schauen Sie Ihren Film an und achten Sie auf Ihre Stimme, Ihren Gesichtsausdruck, Ihre Wortwahl etc. Sie werden garantiert etwas finden, was Sie noch besser machen können. Arbeiten Sie jeden Tag daran, und schon nach ein paar Wochen werden Sie einen deutlichen Fortschritt sehen.

Peter Hopwood ist Rede-, Präsenz- und Pitch-Coach. Er hilft Unternehmensmitarbeitern, Geschäftsleuten, Gründern und anderen Leistungsträgern, selbstbewusst und wirkungsvoll zu präsentieren. Seine Kommunikationserfahrung erwarb er auf einem langjährigen, internationalen Berufsweg mit Stationen in der Hotellerie, im Tourismus und in der Fortbildungsbranche. Mehr zu Peter Hopwood finden Sie auf www.peter-hopwood.comSie möchten Peter Hopwood für eine Zusammenarbeit mit Ihrem Team anfragen? Dann schreiben Sie eine E-Mail an: hello(at)peter-hopwood.com.