Trend „Gamification“

Mit Spaß Ernst machen

Immer mehr Unternehmen nutzen digitale Spiele, um das Engagement ihrer Mitarbeiter auf das nächste Level zu heben. Die sogenannte Gamification macht das Tagesgeschäft produktiver, Weiterbildung spannender und lästige Pflichten reizvoller. Wir stellen Ihnen drei Beispiele für „serious games“ vor.

Im Beruf geht es um seriöse Dinge – und doch hat fast jede Arbeit das Zeug zum Spiel. Wer morgens sein Tagwerk beginnt, muss eine Reihe von Aufgaben in einer vorgegebenen Zeit meistern. Hat man bis Feierabend alles geschafft, ist die persönliche Mission erfüllt. Doch oft genug sind die kleinen, alltäglichen Erfolge nicht greifbar. Und eine Belohnung gibt es dafür auch nicht unbedingt. Gamification ändert das. Sie macht Arbeitsinhalte zur spielerischen Herausforderung. Sie würdigt jeden Fortschritt, münzt Leistung um in Punkte, krönt Erfolge mit virtuellen Trophäen. Das motiviert die Mitarbeiter, auch bei wenig glamourösen Aufgaben am Ball zu bleiben. Digitale Apps eröffnen Unternehmen neue Möglichkeiten, den menschlichen Spieltrieb für die eigenen Ziele zu nutzen.

 

1) Weiterbildung: In die Materie eintauchen

Die Lernforschung zeigt: Spielen motiviert dazu, sich besonders ausdauernd mit einer Materie zu befassen. Neues Wissen und Kompetenzen erwirbt man im Idealfall wie nebenbei. So werden Games zum Bestandteil von Weiterbildungsprogrammen. Wenn die Lektionen Spielcharakter haben, knapsen auch vielbeschäftigte Führungskräfte gern Zeit fürs E-Learning ab. Eine internationale Wirtschaftsprüfungsfirma führte ein Lernspiel für Manager ein, das deren Fortschritte sichtbar machte und mit Auszeichnungen belohnte. Ergebnis: Die Führungskräfte schlossen die Trainings in der Hälfte der Zeit ab.

 

2) IT-Tests: Nutzer zu Feedback motivieren

Die Testphase einer neuen IT-Anwendung ist oft ein mühsames und langwieriges Unterfangen, bei dem die Entwickler auf Beiträge der Nutzer angewiesen sind. Ein IT-Branchenriese hat gute Erfahrungen damit gemacht, die Kollegen dafür zu belohnen. Wer sich für das entsprechende interne Game registriert und fleißig testet, sammelt Punkte für eine virtuelle Rangliste. Das allein weckt bereits den Ehrgeiz vieler Mitarbeiter. Hinzu kommt: Je mehr Punkte auf den Spielerkonten zusammenkommen, desto mehr Geld spendet das Unternehmen an einen wohltätigen Zweck. Beide Anreize funktionieren offenbar gut. Mitarbeiter, die sich am Spiel beteiligen, geben deutlich häufiger Feedback und melden mehr Softwarefehler als die Nicht-Spieler.

 

3) Spesenverwaltung: Nachweise pünktlich erhalten

Reisekostenabrechnungen gehören zu den Pflichten, die viele Mitarbeiter gern vor sich herschieben. Auch in der Verwaltung eines kalifornischen Internetkonzerns kannte man das Problem. Um den Kollegen die Sache schmackhafter zu machen, hat das Unternehmen neue Anreize gesetzt und mit einer spielerischen App verknüpft. Für jede Dienstreise erhalten die Mitarbeiter eine Pauschale im Voraus. Wer damit sparsam umgeht, kann bei der Abrechnung selbst entscheiden, was mit dem Restbetrag geschehen soll: Man kann sich das Geld mit dem Gehalt auszahlen lassen, es für die nächste Reise zurücklegen oder spenden. Es heißt, dass seitdem praktisch alle Reisekostenabrechnungen pünktlich eingehen.

 

Das Spiel muss passen

Schon diese drei Beispiele machen deutlich, dass Gamification kein abgehobenes Konzept ist, sondern alltagsnahe Lösungen anbietet, die sich an vorhandene Arbeitsabläufe koppeln lassen. Die seriösen Spielereien müssen jedoch zu den Gepflogenheiten im Unternehmen passen. Etwa wird ein Game, das die eigene Leistung für alle sichtbar dokumentiert, nur dort angenommen werden, wo man diese Art Wettbewerb sportlich auffasst – und nicht als mögliches Druckmittel. Der ernste Spaß soll letztlich die Arbeit erleichtern und dazu beitragen, dass sich Mitarbeiter dem Unternehmen verbunden fühlen. Ganz egal, auf welchem Level der Einzelne spielt.