Positiv denken: So bleiben Sie in der Krise gelassen

    Geht ein Unternehmen durch eine schwierige Zeit, kann das für die Mitarbeiter sehr belastend sein. Doch nicht jeder reagiert auf Probleme gleich. Wie übersteht man unsichere Phasen möglichst entspannt?

    Evolutionsbiologisch gesehen ist Stress ein Segen. Er versetzte unsere Vorfahren in die Lage, es mit tonnenschweren Mammuts aufzunehmen oder schnell vor einem Steppenbrand zu fliehen. Seit Urzeiten ist unser Gehirn darauf programmiert, bedrohliche Ereignisse stärker wahrzunehmen als positive. Man spricht auch vom „katastrophischen“ Gehirn.

    Für Kinder der Industriegesellschaft hat Stress nur noch selten mit Lebensgefahr zu tun. Das Programm „negativ schlägt positiv“ läuft dennoch sehr zuverlässig ab. Stehen wir vor einem Problem, sind wir nur schwer davon abzulenken. Das hat sein Gutes, weil wir Probleme erkennen und durchdringen müssen, um sie zu lösen. Wer sich aber in Grübeleien verliert, quält sich nicht nur unnötig, sondern vergibt möglicherweise die Chance, das Beste aus der Situation zu machen. Mit diesen Tipps fällt es Ihnen leichter, Ihr katastrophisches Gehirn zu überlisten:

    Machen Sie einen Bogen um die Miesmacher

    Die Stimmung unter Kollegen ist mal besser, mal schlechter – dem können Sie sich nur schwer entziehen. Was Sie aber in der Hand haben: Halten Sie sich an Kollegen, die mit Stress entspannter umgehen, und verbringen Sie nicht unnötig viel Zeit den Schwarzsehern.

    Die Macht der Sprache

    Der römische Kaiser und Philosoph Marcus Aurelius war überzeugt, dass Zufriedenheit vor allem Kopfsache ist. Von ihm stammt der Ausspruch: „Auf die Dauer nimmt die Seele die Farbe der Gedanken an.“ Ständiges Klagen ändert nichts an einer Situation; im Gegenteil kann sich negatives Denken selbst bewahrheiten. Nehmen Sie an, dass eine Person Sie nicht leiden kann, verhalten Sie sich vermutlich distanziert und wirken dadurch weniger sympathisch. Umgekehrt wirken positive Gedanken geradezu heilsam: Laut einer Studie der Harvard Medical School verbessert mentales Training mit einem positiven Mantra nachweislich das seelische Wohlbefinden.

    Nicht Ihr Tag?

    Lassen Sie nicht zu, dass Stress bei der Arbeit auf Ihr ganzes Leben abfärbt. Das Schicksal meint es nicht schlecht mit Ihnen. Wenn nach einem unerfreulichen Arbeitstag der Aufzug am Bahnhof nicht fährt, können Sie sich entweder darüber aufregen oder es sportlich nehmen: Ein bisschen Treppensteigen bekommt Ihnen vermutlich sogar gut.

    Nachrichten-Diät

    Natürlich ist es wichtig zu wissen, was passiert in der Welt. Allerdings sind klassische Nachrichten voll negativer Meldungen. Dosieren Sie Ihren Medienkonsum bewusst, etwa durch ein Zeitlimit von 20 Minuten täglich. Ähnliches gilt für den Newsfeed auf sozialen Netzwerken. Eine Studie der University of Pennsylvania hat gezeigt: Wer täglich zu lange auf Instagram, Twitter und Co. unterwegs ist, fühlt sich schlechter als diejenigen, die eine Social-Media-Diät einhalten.

    Glückshormon-Dusche

    Es ist ein Rätsel: In Krisenzeiten geben sich manche Menschen ganz ihrem Frust hin – als wäre es verboten, sich besser zu fühlen. Geübte Stress-Bekämpfer schalten dagegen bewusst um, indem sie Sport treiben, ihre Lieblingsmusik einlegen oder sich spontan mit Freunden treffen. Bei solchen Aktivitäten baut der Körper das Stresshormon Cortisol ab und schüttet Glücksbotenstoffe wie Dopamin und Serotonin aus. Tipp für den Schmunzel-Moment zwischendurch: Sammeln Sie Fotos (zum Beispiel aus Illustrierten), die Sie an etwas Positives erinnern oder die Sie einfach nur schön finden, und kleben Sie diese in ein Gute-Laune-Buch, das Sie immer in Reichweite haben.

    Seelische Widerstandskraft – ein Langzeitprojekt

    Mit vielen kleinen Veränderungen im alltäglichen Denken und Verhalten können Sie sich langfristig ein dickeres Fell wachsen lassen. Der Fachbegriff für diese seelische Widerstandskraft ist Resilienz. Sie entsteht vor allem, wenn ein Mensch eine Krise aktiv gemeistert hat. Resiliente Personen akzeptieren schwierige Situationen eher und erwarten, dass sie damit zurechtkommen werden. Sie haben im Lauf ihres Lebens ein Set an Lösungsstrategien entwickelt, die für sie gut funktionieren.

    Wer seine psychischen Muskeln trainieren möchte, kann zum Beispiel Folgendes ausprobieren: Schreiben Sie auf, welche Krisen Sie schon bewältigt haben und was Ihnen dabei geholfen hat. Notieren Sie, was Sie gelernt haben, das Ihnen bei künftigen Problemen nützen kann. Halten Sie fest, welche Dinge Sie wirklich gut können, und zwar in den drei Lebensbereichen Beruf, Beziehungen und Freizeit. Auf welche dieser Fähigkeiten können Sie in Krisenzeiten bauen – Ihre Entscheidungsfreude, Ihr Organisationstalent, Ihren Humor? In einer Krise können Sie diese Liste aus der Schublade holen und sich Ihre Stärken bewusst machen – was unter großem Stress nicht so einfach sein kann. Prüfen Sie Ihre Resilienz auch bei kleinen Ärgernissen im Alltag. Eine übervolle To-do-Liste, ein Kollege, der Ihnen einen Fehler in die Schuhe schieben möchte oder ein notorisch unzufriedener Kunde können Anlässe sein, sich zu mehr Gelassenheit zu disziplinieren. Mit dieser entspannten Haltung wächst auch die Zuversicht, die nächste größere Krise gut zu überstehen.

    Video-Tipp:

    „Why worry?“ – Der indische Coach Gaur Gopal Das erklärt in nur einer Minute, wieso man sich niemals Sorgen machen sollte. Hier geht es zum Video (YouTube).